Am Anfang steht immer eine Idee
Ein erster Teil von verworfenen Ideen, die die Eigendarstellung dreifalt's im Netz verkörpern sollten. Ein Design, das als Basis hätte dienen können, wenn nicht... ja, wenn nicht diese vermaledeite Frage zu klären wäre, ob denn nun dieses Konzept tatsächlich das Finale sein könne. Entwürfe für die eigene Präsenz zu erschaffen, ist die undankbarste Aufgabe, die Gestalter zu bewältigen haben. Ist man einmal endlich fertig, steigt die Selbstkritik sprunghaft ins bodenlose und man findet sich bereits schon wieder an der Ausarbeitung der nächsten Linie. Dies wiederholt sich nun schon seit Jahren. Lächerlich. Es muss ja mal endlich was zu sehen sein, und editieren muss man es doch auch können, und... so weiter.
303
Die bleichböse Schönheit eines Musikstils.
In zartem Grau und mit diesen für die frühen Achtziger so charakteristischen Linien ihres Plastikkleids steht sie vor mir. Ich drehe an ihrem großen Lautstärkeknopf vorsichtig nach rechts. Nachdem es satt geklickt hat kommt er nach zweihundertsiebzig Grad zum stehen. Denn noch mehr ist hysterischer, ist autoaggressiver. Und das will ich heute nicht provozieren. Ich mag es gerne pur. Den Druck ihrer Zunge abwechselnd hinter meinen Ohrläppchen.
Ich nicke still und seufze, als sie mich mit ihrem Herzschlag betört. Erinnerungen taumeln durch mein Bewußtsein. Acid-Party. Das erste Mal dieser seltsam anmutende und zugleich abstoßend zwittrige Klang. Die Leidenschaft aus den Lenden in die Ohren verlagert. Das war Neunzehnhundertachtundachtzig. In Deutschland. Wie alles, was an stilbildender Tanzmusik einst in anderen, teils fernen Ländern geboren wurde, schlug sich zwei Jahre später auch hierzulande ein frischer Sound die Schneise durch die Clubs. Erst skeptisch belauscht und leicht belächelt, dann eben mit dieser unbändigen Gewalt an sägenden, betörenden Klangfarben gierig vernascht. Begleitet von Basstrommeln, die so groß wie Tunnelröhren zu sein schienen und bereichert mit Melodien, die niemand begriff. So neu, so fremd zerschnitten sie uns auf den zitternden Tanzflächen. Die Säure aus der Tiefe deines flauschig schmetternd wogenden Magens. Das also war Acid. Neben dem Zeichen eines gelben Grinsegesichtchens war es im Herzen das Lechzen nach diesem Sound, der so manch suchende Schar von Tanzwütigen miteinander vereinte und sie stundenlang in seinen Rhythmen verzückt baden ließ. Ungefähr zwei Jahre lang konnte man sich den ersten, noch nicht im Highspeed-Massaker verlorenen Wellen dieser jungen 'Musik' widmen. danach kam wieder die Leere des Hauptstroms zurück. Und endlos verwahrloste Wartezimmer im House.
Doch vergessen wir das. Ich kann mich noch an die BSE - Rinderwahnsinn Zwölf Zoll erinnern. So Vierundneunzig, Fünfundneunzig. Eine mörderische Platte, die erneut in mir diese seit langem entschlummerten Gedanken des süßen Erstkontakts wachrüttelte und mich bewußter nach diesem Schatz sehnen ließ. Ich muss dich haben. Ich will dich. Aber als elektronischer Musiker verstand ich die Welt nicht mehr, als ein längst aus dem Repertoire des Herstellers verbanntes Instrument zu Spitzenzeiten für mehr als das Dreieinhalbfache auf dem Gebrauchtmarkt zu haben war. Und wie missbraucht sie bisweilen wurden. Zwangsprostitution unter den wahren Sirenen. Welch Schande. Mit weinenden Augen wusste ich, dass ich sie wohl nie neben mir liegen sehen dürfte, so hoch, den Sternen nahe, war der zu zahlende Preis. Nahezu alles hätte ich für sie gegeben, doch war ich immer einen Schritt davon entfernt, sie in meine Arme schließen zu können.
Ich war ja nicht alleine mit meinem Wunsch. Die Musikindustrie hat, neben anderen erwähnenswerten Taten, das Verlangen vieler Musiker gewittert und war eifrig damit beschäftigt Kopien herzustellen, um diese für sündhaft teures Geld der schraubenden Gilde zu verhökern. Ein Frevel, der mal zu ertragen war, gemeinhin jedoch die Grazie des Originals besudelte. Sie hießen Teebee 303, MAM-MB33, MAB-303, Deep Bass Nine, Doepfer 404, Bass-Station und wer weiß, wie sonst noch. Gesichtslose Trittbrettfahrer, oft ohne stil und mit anzuzweifelnder Individualität. Gebohren, um Träume nur scheinbar zu befriedigen und schnelllebig zu verblassen. Die nach dem ersten Ton einen dreisten schlag ins hoffnungslos schreckverzerrte Gesicht der Besitzer platzierten. Bastarde. Mutationen aus dem zur Mode erhobenen klang des unnachahmlichen Originals und dem bauarttypischen Sound klassischer Analogsynthesizer.
'Gewöhnlich werde ich geküsst, bevor ich gebumst werde.' sagt Michael Douglas in 'Black Rain'. Das fehlte und fehlt ihnen bis heute noch, diesen Kopien: Die nuancierte Zärtlichkeit, unbeschreibliche Bestimmtheit, das stets variierende Verlangen und einzigartige Feeling dieses akustischen Zungenkusses, das die Dreinulldrei im Ganzen erst zur Domina macht. Sie zum brennen bringt. Erklingen lässt. Dabei jede für sich anders, denn keine ist wie eine ihrer Schwestern. Das ist wahr, jede hat ihre eigene, unverwechselbar subtile Seele. Ihre taktfüllenden Herzen sind zwar die gleichen, doch nicht die selben. Analoge Bauteile, die im unteren Preissegment für das Erschaffen dieses unscheinbaren Kleinods ausgesucht wurden, sorgen dafür. Hohe elektrische Toleranzen modifizieren neckisch ihren verspielten Ruf. Zauberhafte Unikate.
Und dabei ist sie so einfach. Ein Oszillator mit zwei Wellenformen. Sägezahn für den Liebesbiss, Rechteck für das Vorspiel. Ekstase erlangt die Dame durch ein vierpoliges Filter mit vierundzwanzig Dezibel Flankensteilheit - in der Theorie. Durch die besagten Bauteiltoleranzen jedoch verlässt sie mathematisch wohl definierte Blaupausenstrategien.
'Die kurve einer Frau beginnt in ihren Hüften und endet in ihren Kniekehlen'. Helmut Newton hätte diese Auffassung vielleicht auch im übertragenen Sinne der Dreinulldrei zuschreiben können. Den von ihr gesprochenen Dialekt kann man in vierundsechzig Mustern niederschreiben. Wer es mag, sogar triolisch. Ihre schmollenden Töne können hart und bestimmend aber auch weich und ineinander fließend durch Glissandi betont und akzentuiert werden. So tief wie das Azurblau der spätsommerlichen Nacht. Oder jauchzend hoch, den Chorälen euphorisierter Engel gleich. Und im Liebesspiel mit dem hypnotischen Klang windet man sich umeinander, eng umschlungen. Dreht sich um die Welt der Filterfrequenz, Resonanz, eingebettet in einer simplen aber satten Hüllkurve, bevor man kurz vor dem Höhepunkt die Stärke ihrer Stöße intensiviert zu spüren bekommt und innerlich pulsierend dem rausch der Linie erliegt.
Ja, ich komme ins Schwärmen. Denn die Dreinulldrei ist und bleibt eine der großen Damen elektronischer Instrumente. Zu recht ist sie in den neunziger Jahren ein so hart umkämpftes Gut geworden, das bis heute in seinem Klangbild, trotz leistungsfähigster Computer und neuester, virtuell-analoger Synthese-PlugIns, unnachahmlich bleibt. Doch viele haben es ebenso wie ich verstanden und wissen den abgeklungenen Hype zu belächeln. Ich darf sie nun endlich streicheln. Wann immer ich will. Sie ist echt und liegt vor mir. Entblößt sich mir für eine weitere Nacht... Nein, ich werde dich nie verlassen und sicher, ich glaube, du wirst mich überleben.
Herzlichen Glückwunsch zu Deinem fünfundzwanzigsten Geburtstag, du Luder.
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Was passiert hier also?
Kunden erhalten Zugriff auf Entwürfe oder bestimmte Dateien, die in Zusammenhang mit laufenden Projekten stehen. Eine ausführlichere Vita gibt es hier als PDF zum Download und hin und wieder sind Goodies für Lau am Start.
Wie bekomme ich ein Passwort?
Eine leichte Kiste. Entweder bekommt man als Neukunde ohnehin seinen eigenen Account zugeteilt oder aber dreifalt versendet auf expliziten Wunsch einen temporären Zugang, der dann selbstverständlich von der Kundensektion abgekoppelt ist. Sicherheit ist nunmal Pflicht.
